Immer mehr KI-Systeme markieren, was sie schreiben. Unsichtbar, ohne versteckte Zeichen. Wer das tut und wer nicht, was es bedeutet, wenn du KI-Texte veröffentlichst, und was der EU AI Act von dir verlangt.
Du schreibst einen Beitrag, eine Offerte, einen Newsletter. Die KI hilft mit. Und dann kommt der Gedanke: Sieht man das eigentlich? Kann jemand nachweisen, dass hier eine Maschine mitgeschrieben hat?
Bei manchen Anbietern lautet die Antwort inzwischen: ja. Nicht durch Stilanalyse, nicht durch Ratespiele, sondern durch ein Signal, das beim Schreiben eingebaut wird. Google macht das seit 2024, Anthropic seit August 2026.
Denk an eine Banknote. Das Wasserzeichen im Papier siehst du erst, wenn du sie gegen das Licht hältst. Es steht nirgends geschrieben, es ändert nichts am Wert, und es fällt beim normalen Gebrauch niemandem auf. Es ist trotzdem da, und wer weiss wie, kann es prüfen.
Ein Wasserzeichen in KI-Texten ist kein Vermerk und kein Stempel. Es sagt nicht «hier war eine KI am Werk». Es ist ein statistisches Muster in der Wortwahl, das nur mit dem passenden Schlüssel sichtbar wird.
Ein Wasserzeichen beweist nicht, dass ein Mensch nichts getan hat. Es zeigt nur, dass ein bestimmtes Modell an diesem Text beteiligt war.
Hier hält sich ein Missverständnis hartnäckig: dass unsichtbare Sonderzeichen in den Text geschmuggelt würden. Schmale Leerzeichen, unsichtbare Trenner, Zeichen aus exotischen Unicode-Blöcken. Das ist bei Claude nicht der Fall.
Beim Schreiben stehen dem Modell laufend mehrere gleich gute Wörter zur Verfügung. War der Himmel «bedeckt» oder «grau»? Beides stimmt, beides klingt gut. Normalerweise entscheidet an dieser Stelle der Zufall.
Beim Wasserzeichen entscheidet stattdessen ein kryptografischer Schlüssel. Kein Wort wird bevorzugt, jede Wahl bleibt inhaltlich passend. Aber über einen längeren Text entsteht ein Muster, das sich mit demselben Schlüssel wiederfinden lässt.
Nichts wird dem Text hinzugefügt. Keine versteckten Zeichen, keine zusätzlichen Tokens, keine Metadaten in der Datei. Wer Sonderzeichen sucht, sucht am falschen Ort.
Der Stand ist uneinheitlich und bewegt sich schnell. Diese Übersicht ist eine Momentaufnahme vom August 2026 und keine dauerhafte Aussage.
| Anbieter | Text | Bild und Ton | Prüfwerkzeug |
|---|---|---|---|
| Gemini |
Ja SynthID, seit 2024 | Ja | öffentlich verfügbar |
| Claude Anthropic |
Ja seit 02.08.2026 | Nein | angekündigt |
| ChatGPT OpenAI |
Noch nicht angekündigt | Ja SynthID und C2PA | öffentlich, für Bild und Ton |
| Copilot Microsoft |
Nein | teilweise C2PA | keines |
| Grok xAI |
Nein | Nein | keines |
| Offene Modelle Llama, DeepSeek, Qwen |
Nein | Nein | keines |
Drei Dinge fallen an dieser Tabelle auf, und alle drei sind für die Praxis wichtiger als die einzelnen Häkchen.
Bei Bildern ist die Markierung längst üblich. OpenAI bettet in jedes Bild aus ChatGPT und der Programmierschnittstelle ein SynthID-Wasserzeichen ein, dazu Content Credentials nach dem C2PA-Standard, und stellt ein öffentliches Prüfwerkzeug bereit. Für Ton gilt inzwischen dasselbe.
Beim Text ist es schwieriger, und das hat einen technischen Grund: Ein Bild hat Millionen Pixel, in denen sich ein Signal verstecken lässt. Ein Absatz hat ein paar hundert Wörter. Deshalb kommt Text zuletzt.
Die Markierung betrifft alle Modelle, die ab dem 2. August 2026 erschienen sind, und zwar in der App, über die Programmierschnittstelle, in Claude Code und in Cowork. In allen Tarifen, weltweit. Ein Abschalten ist nicht vorgesehen.
OpenAI hat angekündigt, nachzuziehen. Das erklärte Ziel ist, die Provenienz-Signale auf alle Modalitäten einschliesslich Text auszuweiten. Ein Zeitpunkt steht nicht fest, und das Verfahren ist offen.
Wer ein Modell selbst betreibt, hat kein Wasserzeichen im Text. Das gilt für Llama, DeepSeek, Qwen und alles, was du dir lokal installierst. Der Grund ist einfach: Wer die Gewichte hat, kann jede Markierung abschalten.
Falls du mit lokalen Modellen arbeitest, ist das ein Nebeneffekt, den man kennen sollte. Was dabei sonst noch zu beachten ist, steht in der Anleitung zu lokalen KI-Modellen.
Hinter den Häkchen steht ein Verhaltenskodex zur Transparenz, den rund 190 Unternehmen unterzeichnet haben, darunter Google, Anthropic, OpenAI, Microsoft, Meta und Mistral. xAI hat nicht unterschrieben.
Das befreit niemanden. Der Kodex ist der bequeme Weg, die Pflichten des AI Act zu erfüllen. Wer ihn nicht unterschreibt, muss die Anforderungen trotzdem einhalten, nur ohne den abgestimmten Rahmen.
Die Verfahren sind untereinander nicht lesbar. Googles Prüfwerkzeug findet kein Wasserzeichen von Anthropic, und umgekehrt. Für Claude gibt es noch gar keines. Du kannst deine eigenen Texte im Moment nicht selbst überprüfen.
Die praktisch wichtigste Frage lautet nicht «wie werde ich es los», sondern: Ist mein überarbeiteter Text noch markiert? Davon hängt ab, wie du deine eigene Arbeit einordnest.
Anthropic macht dazu selbst Angaben.
Kopieren und einfügen. Leichtes Redigieren. Übersetzungen, weil das Modell dabei erneut jedes Wort wählt. Lange, zusammenhängende Passagen.
Vollständiges Umschreiben, bei dem kein Wort stehen bleibt. Kurze Textstücke. Fachtext mit festen Begriffen, wo es kaum Wahlfreiheit gibt. Code, der exakt stimmen muss.
Daraus folgt etwas Unbequemes: Das Zeichen ist ein Hinweis, kein Beweis. Es fehlt bei Texten, die sehr wohl von einer KI stammen, und es kann in Texten stecken, die ein Mensch stark überarbeitet hat.
Wer gründlich überarbeitet, entfernt das Zeichen nebenbei. Nicht weil er es darauf angelegt hätte, sondern weil bei echter Überarbeitung kaum ein Satz so bleibt, wie er war.
Seit der Ankündigung sind Werkzeuge aufgetaucht, die versprechen, das Zeichen zu entfernen. Dieses Kapitel beschreibt, was es gibt und was die Forschung dazu sagt. Es ist eine Beschreibung, keine Empfehlung. Was du damit machst, ist deine Entscheidung.
Löschen unsichtbare Unicode-Zeichen und Dateimetadaten wie C2PA oder EXIF. Das funktioniert nachweislich. Gegen Claudes Wasserzeichen bringt es nichts, weil dort keine Zeichen versteckt sind.
Formulieren den Text neu. Studien zeigen: wirksam, aber mit Abwägung. Schwaches Umschreiben lässt das Signal stehen, starkes entfernt es und verändert dabei den Inhalt.
Text raus- und wieder zurückübersetzen. Wirkt, aber läuft die Übersetzung über ein anderes markierendes Modell, trägt der Text danach dessen Signatur statt der ursprünglichen.
Der gemeinsame Nenner: Ein statistisches Wasserzeichen hat keine Stelle im Text, an der man ansetzen könnte. Es steckt in der Verteilung der Wörter. Wer es loswerden will, muss die Wörter ändern, und damit ändert er den Text.
In diesem Feld wird viel behauptet und wenig belegt. Für Claude gibt es noch keinen Detektor, also kann derzeit niemand nachweisen, dass ein Werkzeug wirkt. Parallel sind zahlreiche betrügerische Angebote aufgetaucht, teils mit Schadsoftware. Wer solche Dienste nutzt, gibt ihnen ausserdem seinen Text.
Anthropics Nutzungsbedingungen verbieten es, Modellausgaben als von Menschen geschrieben auszugeben. Das Zeichen zu diesem Zweck zu entfernen, verstösst gegen die Bedingungen, unabhängig davon, wie man es rechtlich sonst bewertet.
Bemerkenswert ist die Richtung, in die das führt. Wer den Text so gründlich überarbeitet, dass das Zeichen verschwindet, hat ihn tatsächlich überarbeitet. Genau das verlangt der AI Act für die Ausnahme im nächsten Kapitel. Der Aufwand, das Zeichen loszuwerden, ist ungefähr der Aufwand, ehrlich zu sein.
Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50. Und hier wird oft mehr hineingelesen, als drinsteht.
Trifft alles drei zu, verlangt Artikel 50 Absatz 4, dass du offenlegst, dass der Text künstlich erzeugt oder verändert wurde. Aber der Absatz hat einen zweiten Satz, und der ist der entscheidende.
Die Pflicht entfällt, wenn der Inhalt einer menschlichen Überprüfung oder redaktionellen Kontrolle unterzogen wurde und eine benannte Person die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung trägt.
Beide Bedingungen müssen zusammen erfüllt sein. Und an die Prüfung werden Anforderungen gestellt.
Nein. Verlangt wird die bewusste Prüfung der Substanz durch jemanden mit einschlägigem Wissen und fachlichem Urteil. Eine Rechtschreib- oder Formalprüfung genügt ausdrücklich nicht.
Nein. Artikel 50 regelt eine Offenlegungspflicht, kein Format. Es gibt kein amtliches Zeichen und keinen vorgeschriebenen Wortlaut. Genannt werden Formulierungen wie «KI-generiert» oder «Erstellt mit KI», auch als Piktogramm.
Nein. Die Offenlegung muss klar erkennbar und spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion erfolgen. Ein versteckter Hinweis am Seitenende reicht dafür nicht.
Möglicherweise ja. Massgeblich ist das Marktortprinzip: Es zählt, wo die Ergebnisse ankommen, nicht wo dein Unternehmen sitzt. Wer Inhalte an Kundinnen und Kunden in der EU ausspielt, ist im Anwendungsbereich.
Nein. Sie bedeutet, dass eine benannte Person geprüft hat, freigibt und dafür einsteht. Eine Garantie auf Fehlerfreiheit ist damit nicht verbunden. Verlangt wird aber, dass die Prüfung belegbar ist.
Dieser Abschnitt ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Der Bussgeldrahmen in Artikel 99 reicht bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Wenn es bei dir geschäftlich darauf ankommt, lass die Einordnung anwaltlich prüfen.
Die pragmatischste Haltung ist nicht, die Ausnahme auszureizen, sondern sie überflüssig zu machen. Wer freiwillig offenlegt, muss sich auf sie gar nicht erst berufen.
Wie bei den Zutaten auf einer Lebensmittelpackung. Niemand verlangt die Liste, weil das Produkt schlecht wäre. Sie steht da, weil man dann nicht mehr darüber reden muss.
Diese Seite ist mit KI entstanden und von einem Menschen inhaltlich geprüft worden. Beides steht oben im Kopf, verlinkt aufs Impressum. Wir halten uns an das, was hier steht.
Angaben zu Anbietern und Werkzeugen sind eine Momentaufnahme vom August 2026. Der Bereich bewegt sich schnell, prüfe im Zweifel den aktuellen Stand beim jeweiligen Anbieter.