Warum du der KI nicht jedes Mal alles neu erklären musst – und wie du mit Claude Skills, Custom GPTs und Gemini Gems eigene KI-Spezialisten baust.
Jetzt loslegenStell dir vor, du stellst jemanden ein. Am ersten Arbeitstag erklärst du dieser Person alles: wie dein Unternehmen tickt, welchen Ton ihr in E-Mails nutzt, welche Formate eure Reports haben. Am nächsten Morgen kommt dieselbe Person – und hat alles vergessen. Du erklärst es nochmal. Und wieder. Und wieder.
Genau so fühlt sich die Arbeit mit KI an, wenn du ohne vordefinierte Anweisungen arbeitest. Jede neue Unterhaltung startet bei null.
Ein KI-Skill ist wie ein detailliertes Briefing, das du einmal schreibst und dann immer wieder verwenden kannst. Statt der KI bei jedem Chat von vorne zu erklären, wer du bist und was du brauchst, hinterlegst du diese Informationen dauerhaft. Die KI «weiss» von Anfang an, wie sie sich verhalten soll.
In diesem Artikel verwenden wir «KI-Skills» als Sammelbegriff für alle Ansätze, mit denen du einer KI dauerhaft beibringen kannst, wie sie sich verhalten soll. Technisch sind die Konzepte der verschiedenen Plattformen allerdings unterschiedlich aufgebaut:
Modulare Ordner mit Anweisungen, Skripten und Ressourcen. Werden automatisch aktiviert, wenn ein passendes Thema erkannt wird.
Eigenständige, angepasste ChatGPT-Konfigurationen mit Anweisungen (Instructions), hochgeladenen Wissensdateien und optionalen Fähigkeiten wie Websuche oder API-Anbindung (Actions).
Personalisierte KI-Assistenten innerhalb von Google Gemini mit persistenten Anweisungen, die über viele Gespräche hinweg bestehen bleiben.
Wichtige Abgrenzung: Custom GPTs sind keine «Skills» im engeren Sinn – sie sind komplette, eigenständige ChatGPT-Versionen. Claude Skills dagegen sind modulare Aufgabenpakete, die innerhalb eines Projekts automatisch ausgelöst werden. Gemini Gems liegen dazwischen: eine Art persistente Persona mit eigenen Regeln. Gemeinsam ist allen drei Ansätzen, dass sie wiederkehrende Aufgaben, Rollen und Regeln dauerhaft verfügbar machen.
Kein Autopilot: Skills, GPTs und Gems verbessern die Konsistenz und sparen Wiederholung. Sie garantieren aber keine fehlerfreien Ergebnisse. Jede KI-Ausgabe sollte fachlich geprüft werden, bevor du sie verwendest – besonders bei Zahlen, rechtlichen Aussagen oder Kundenkommunikation.
Das Grundprinzip – der KI beibringen, wie sie sich verhalten soll – gibt es auf allen grossen Plattformen. Die technische Umsetzung unterscheidet sich aber deutlich.
Modulare Ordner mit SKILL.md. Automatisch aktiviert bei passendem Kontext.
Eigenständige ChatGPT-Konfigurationen mit Instructions, Wissen und Actions.
Persistente Assistenten in Google Gemini mit individuellen Anweisungen.
Plattformübergreifend: Allgemeine Verhaltensregeln, die in jedem Chat gelten.
Custom Instructions sind wie deine Stammkneipe, die weiss, dass du keinen Koriander magst. Ein Skill, GPT oder Gem ist wie ein Koch, der dein komplettes Menü kennt, inklusive Allergien, Portionsgrössen und Lieblingsgewürze – und automatisch das Richtige zubereitet.
Claude Skills bestehen aus einem Ordner mit einer zentralen Markdown-Datei (SKILL.md). Diese Datei enthält YAML-Metadaten (Name, Beschreibung) und darunter die eigentlichen Anweisungen. Claude liest beim Start einer Session nur die kurze Beschreibung jedes verfügbaren Skills – der vollständige Inhalt wird erst dann geladen, wenn er tatsächlich zum Thema passt. Das spart Kontext und hält die KI schlank.
Zusätzlich kann der Ordner Unterverzeichnisse mit Referenzmaterial, Skripten und Vorlagen enthalten. Claude greift bei Bedarf gezielt auf einzelne Dateien zu, statt alles auf einmal zu laden.
OpenAIs Custom GPTs sind keine modularen Skill-Dateien, sondern eigenständige, angepasste Versionen von ChatGPT. Du erstellst sie über den GPT Builder – entweder im Gespräch oder über die Konfigurationsseite. Dort definierst du Anweisungen (Instructions), lädst Wissensdateien hoch und aktivierst Fähigkeiten wie Websuche, Code-Ausführung oder Bildgenerierung. Über sogenannte «Actions» können GPTs sogar externe APIs ansprechen – eine Funktion, die Claude Skills und Gems in dieser Form nicht bieten.
Google nennt seine Variante «Gems». Du erstellst sie direkt in der Gemini-App, gibst dem Gem einen Namen, definierst seine Rolle und schreibst Anweisungen. Gems und Gemini können je nach Konto und Workspace-Konfiguration mit Google-Drive-Dateien arbeiten. Ob und wie schnell Änderungen an einem Dokument vom Gem erkannt werden, hängt von den Berechtigungen und der Kontoart ab.
Übertragbarkeit: Das SKILL.md-Prinzip (Markdown mit YAML-Frontmatter) entwickelt sich zu einem wiederverwendbaren Format, das auch andere Coding-Tools wie Cursor oder GitHub Copilot verstehen. Es ist aber kein offizieller, einheitlicher Industriestandard. Einzelne Instruktionsmuster lassen sich zwischen Plattformen übertragen – ein fertiger Claude Skill funktioniert jedoch nicht automatisch unverändert in ChatGPT oder Gemini.
Du brauchst keine Programmierkenntnisse, um einen Skill, GPT oder Gem zu erstellen. Im Kern geht es darum, der KI klar zu sagen: wer sie ist, was sie tun soll und wie sie es tun soll. Hier die Vorgehensweise für jede Plattform.
Erstelle einen Ordner mit einer Datei namens SKILL.md. Die Datei beginnt mit YAML-Metadaten (Name und Beschreibung) und enthält danach deine Anweisungen in normalem Markdown. Lade den Ordner in ein Claude-Projekt oder nutze den eingebauten Skill Creator, der dich Schritt für Schritt durchführt.
Gehe zu chatgpt.com/gpts und klicke auf «Erstellen». Im Builder beschreibst du deinen GPT im Chat oder nutzt den Tab «Konfigurieren» für direkte Eingaben. Definiere Anweisungen, lade Wissensdateien hoch und aktiviere die gewünschten Fähigkeiten. Zum Schluss wählst du, ob dein GPT privat oder öffentlich sein soll.
Öffne gemini.google.com, klicke auf «Gem Manager» und dann «Neues Gem erstellen». Gib ihm einen Namen, schreibe detaillierte Anweisungen und teste direkt in der Vorschau. Du kannst auch bestehende Gems kopieren und anpassen – ein guter Startpunkt, wenn du unsicher bist.
Egal welche Plattform: Je konkreter deine Anweisungen, desto besser das Ergebnis. Vermeide vage Begriffe wie «professionell» oder «kreativ». Sag stattdessen genau, was du meinst: «Schreibe in Du-Form, maximal 150 Wörter, mit einer konkreten Handlungsaufforderung am Ende.»
Unabhängig von der Plattform haben gute Anweisungen diese vier Bestandteile:
Sag der KI, wer sie ist – z.B. «Du bist ein erfahrener Social-Media-Texter für B2B-Unternehmen im DACH-Raum.»
Definiere klare Do's und Don'ts. Was soll die KI immer tun? Was nie?
Zeige der KI ein oder zwei Beispiele, wie das Ergebnis aussehen soll. Das wirkt besser als jede Beschreibung.
Beschreibe, wie das Ergebnis strukturiert sein soll – Länge, Format, Abschnitte.
Wenn du die Grundlagen verstanden hast, kannst du Skills, GPTs und Gems deutlich über einfache Anweisungen hinaus nutzen. Hier sind die Techniken, die den Unterschied machen.
Ein Claude Skill ist nicht nur eine einzelne Datei. Du kannst Unterordner für Referenzmaterial, Skripte und Vorlagen anlegen. Claude liest nur die Teile, die es gerade braucht. So kannst du umfangreiche Dokumentationen hinterlegen – z.B. dein Marken-Handbuch – wobei die tatsächliche Nutzung von Plattform- und Kontolimiten abhängt.
Custom GPTs können über «Actions» externe APIs ansprechen. Dein GPT kann dann z.B. automatisch Daten aus deinem CRM holen, Kalendereinträge erstellen oder Aufgaben in Asana anlegen. Diese Fähigkeit macht GPTs besonders mächtig für Workflow-Automatisierung – und ist ein wesentlicher Unterschied zu Claude Skills und Gems.
Gems und Gemini können je nach Konto- und Workspace-Einstellungen mit Google-Drive-Dateien arbeiten. Das kann das Problem veralteten Wissens reduzieren: Wenn du dein Sales Playbook aktualisierst, kann der Gem potenziell auf die aktuelle Version zugreifen – abhängig von den Berechtigungen und der Konfiguration deines Google-Kontos.
Der wichtigste Abschnitt in jedem Skill sind die häufigsten Fehler. Dokumentiere, wo die KI typischerweise danebenliegt – und wie sie es stattdessen machen soll. Dieser Teil wird mit der Zeit immer wertvoller, weil du aus echten Fehlern lernst und die Anweisungen laufend verbesserst.
Profi-Tipp: Halte die Beschreibung deines Skills unter 50 Wörtern. Wenn du zehn oder mehr Skills installiert hast, summieren sich die Beschreibungen im System-Prompt. Kurze, präzise Beschreibungen sorgen dafür, dass der richtige Skill zuverlässig ausgelöst wird.
Ein guter Skill ist wie ein gutes Rezept: Am Anfang steht die Zutatenliste (Rolle + Kontext), dann die Schritte (Regeln), dann das Foto des fertigen Gerichts (Beispiele). Und die handschriftlichen Notizen am Rand – «nicht zu viel Salz!» – sind die Gotchas. Diese Randbemerkungen machen den Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem exzellenten Ergebnis.
Alle drei Ansätze adressieren dasselbe Grundproblem – wiederkehrende Anweisungen dauerhaft verfügbar machen – lösen es aber technisch unterschiedlich. Diese Gegenüberstellung hilft dir bei der Orientierung. Beachte, dass sich Funktionen, Preise und Limits laufend ändern können.
| Eigenschaft | Claude Skills | Custom GPTs | Gemini Gems |
|---|---|---|---|
| Konzept | Modulares Aufgabenpaket (Ordner + Dateien) | Eigenständige ChatGPT-Konfiguration | Persistente Gemini-Persona |
| Format | SKILL.md (Markdown + YAML) + Ordnerstruktur | GUI-Builder oder Konfigurationsseite | Formular in Gemini-App |
| Aktivierung | Automatisch bei passendem Thema | Manuell durch Auswahl des GPTs | Manuell durch Auswahl des Gems |
| Wissensdateien | Umfangreiche Referenzdateien via Ordnerstruktur (abhängig von Plattform- und Kontolimiten) | Bis zu 20 Dateien hochladbar | Google-Drive-Anbindung (je nach Konto und Berechtigungen) |
| Externe APIs | MCP-Server-Integration | GPT Actions (externe APIs anbinden) | Keine GPT-Actions-Entsprechung; Integrationen via Google-Ökosystem |
| Code-Ausführung | Ja (Skripte im Skill) | Ja (Code Interpreter) | Ja (eingeschränkt) |
| Teilen | Ordner weitergeben oder veröffentlichen | Privat, per Link oder GPT Store | Privat, per Link oder öffentlich |
| Voraussetzung | Bezahlter Plan erforderlich (je nach Produktversion) | Bezahlter Plan erforderlich (je nach Produktversion) | Teilweise im kostenlosen Plan verfügbar (je nach Konto und Region) |
| Kontextfenster | Variiert je nach Modell, Tarif und Produktversion – ändern sich regelmässig | ||
| Stärke | Tiefe Anweisungen, Code-Integration, automatische Aktivierung | API-Anbindung, grosses Ökosystem, visueller Builder | Google-Workspace-Integration, einfacher Einstieg |
Orientierungshilfe: Wenn du präzise Workflows automatisieren willst und mit Claude arbeitest, sind Claude Skills ideal. Wenn du externe Tools anbinden möchtest, bieten Custom GPTs mit Actions die grösste Flexibilität. Wenn du ohnehin im Google-Workspace-Ökosystem arbeitest, sind Gems der schnellste Einstieg.
Skills, Custom GPTs und Gems machen KI produktiver – aber sie erfordern auch Sorgfalt. Hier sind die wichtigsten Punkte, die du beachten solltest, bevor du loslegst.
Lege keine API-Keys, Passwörter, Verträge, Kundenlisten oder vertrauliche Geschäftsdaten in Skills, GPT-Instructions oder Gem-Anweisungen ab. Diese Inhalte können – je nach Plattform und Konfiguration – von Dritten eingesehen oder vom Anbieter für Modelltraining verwendet werden. Prüfe die Datenschutzrichtlinien deiner Plattform und nutze bei sensiblen Anwendungen die Enterprise-Optionen.
SKILL.md-Dateien und GPT-Instructions enthalten Anweisungen, die die KI steuern. Das macht sie auch zu einer potenziellen Angriffsfläche: Manipulierte Eingaben (sogenannte Prompt Injections) können versuchen, hinterlegte Anweisungen auszuhebeln oder die KI zu unerwünschtem Verhalten zu bringen. Behandle fremde Skills deshalb wie unbekannte Software: Lies den Inhalt, bevor du ihn in deiner Arbeitsumgebung aktivierst.
Wenn du einen Custom GPT oder ein Gem öffentlich teilst, sind die darin enthaltenen Anweisungen und Wissensdateien potenziell einsehbar. Gehe davon aus, dass alles, was du in ein öffentliches GPT oder Gem packst, auch gelesen werden kann. Hinterlege dort nichts, was vertraulich ist.
Skills verbessern die Konsistenz und sparen Wiederholung – sie garantieren aber keine korrekten Ergebnisse. Besonders bei Zahlen, rechtlichen Aussagen, medizinischen Informationen oder Kundenkommunikation sollte jede KI-Ausgabe von einem Menschen geprüft werden. Ein Skill macht die KI nicht fehlerlos, sondern berechenbarer.
Faustregel: Frage dich vor jeder Information, die du in einen Skill packst: «Wäre es ein Problem, wenn diese Information öffentlich sichtbar wäre?» Falls ja, gehört sie nicht in den Skill.
Genug Theorie – jetzt baust du deinen ersten Skill, GPT oder Gem. Hier sind drei konkrete Anwendungsfälle, die du sofort umsetzen kannst.
Du willst einen Skill, der LinkedIn-Posts in deinem Stil schreibt – mit der richtigen Tonalität, Länge und Struktur.
Erstelle eine Datei SKILL.md mit folgendem Inhalt und lade sie in dein Projekt.
Geh zu chatgpt.com/gpts → Erstellen → Konfigurieren. Füge die Anweisungen ins Feld «Instructions» ein.
Öffne gemini.google.com → Gem Manager → Neues Gem. Gib dem Gem den Namen «LinkedIn-Texter» und verwende die gleichen Anweisungen.
Definiere einen Skill / GPT / Gem, der Angebote nach deiner Vorlage erstellt. Hinterlege dein Angebotsformat, deine Standardpreise und deine Textbausteine. Der Assistent braucht dann nur noch den Kundennamen und die gewünschte Leistung – und generiert ein fertiges Angebot in deinem Format. Achte darauf, keine echten Kundendaten oder vertraulichen Preislisten dauerhaft zu hinterlegen.
Erstelle einen Skill / GPT / Gem, der aus Notizen oder Transkripten ein strukturiertes Protokoll erstellt. Definiere die Abschnitte (Teilnehmende, Entscheidungen, Aufgaben mit Verantwortlichen, nächste Schritte) und das Format. So bekommst du aus jeder Besprechung ein konsistentes Ergebnis – das du trotzdem auf Richtigkeit prüfen solltest.
Selbst testen: Nimm einen der drei Anwendungsfälle und erstelle ihn auf der Plattform deiner Wahl. Teste mit drei verschiedenen Aufgaben. Wenn das Ergebnis nicht passt, erweitere deine Anweisungen um die konkreten Punkte, die gefehlt haben. Das ist der beste Weg, Skills zu verbessern – durch echte Nutzung und Iteration.
Iterativ verbessern: Kein Skill ist beim ersten Versuch perfekt. Notiere dir, wo die KI vom gewünschten Ergebnis abweicht, und ergänze diese Punkte als Regel oder Beispiel in die «Gotchas»-Sektion. Die besten Skills entstehen über Wochen, nicht an einem Nachmittag.